Mittwoch, 20. August 2014

Zwischen Kontrolle und Kalorien

Heute geht es um ein sehr ernstes Thema, Essstörungen. Durch Zufall bin ich bei Blogger auf die liebe Morena gestoßen und war sehr Beeindruckt von ihrem Beitrag "Zwischen Kontrolle und Kalorien", denn dort schildert sie, wie sie sich selber mit ihrer Esstörung gefühlt hat. Es geht um ein Thema, um das sich viele Leute zu viele Gedanken machen, Essen.  
Aus dem Tagebuch einer Essstörung

Tag 1 zu hause 
Scheisse! Schon wieder eine ganze Packung M&M's weggefuttert.. Ohje, das waren ganze 1200kcal! 
Ich darf heute Abend einfach nichts mehr essen. Falls ich genügend Energie besitze, gehe ich noch eine Runde Laufen.. Ach was soll's! 
Ohje jetzt ist auch noch die Chips Packung leer. Dann esse ich halt noch welche Süssigkeiten, da sie sonst eh nutzlos rumliegen. Was weg ist, ist dann weg! Dann esse ich NIE MEHR ungesundes.  
Tag 3 im Supermarkt
Oh, KitKat White?! Die habe ich doch neulich auf Instagram gesehen. ICH MUSS SIE PROBIEREN! Ich werde die auch nur dann essen, wenn ich wirklich wirklich Lust darauf habe. Ich werde mich unter Kontrolle haben.  
Tag 4 im Wald
Oh, endlich habe ich mich dazu aufraffen können, wiedermal Cardio zu machen. Wie viele Kalorien ich wohl verbraucht habe?  
Tag 5 vor dem Spiegel
Wow, heute ist mein Bauch so flach! Ich mache wirklich Fortschritte, juhu! Das ist alles was ich brauche.. Scheiss auf Six Pack! Heute wird ein Eis wohl noch drin liegen..

Wie viele Kalorien dieses Eis wohl hatte? Ach was soll's, her mit dem KitKat! Und wenn ich schon dabei bin, schwarze Schokolade schadet ja auch nicht..
Oh gott, jetzt habe ich schon wieder zu viel gegessen.. Dabei habe ich gar keine Zeit heute ins Fitnessstudio zu gehen.. Oh man.. 
Tag 6 zu hause
"Guten Tag. Ich weiss nicht, wie ich anfangen soll, aber ich glaube, eine Essstörung zu haben. Ich weiss es schon länger, habe aber immer wieder gehofft, es alleine zu schaffen. Es wird aber immer schlimmer und ich möchte endlich raus aus diesem Zirkus, können Sie mir helfen?" 

Du bist nicht alleine, wenn . . .
du das Gefühl hast, dass etwas mit dir nicht stimmt. Wenn dir etwas den Schlaf raubt, dich unglücklich macht oder das Gefühl gibt, eingeengt zu sein. Es bereitet dir schlaflose Nächte und unruhige Tage. 

Dein Gemütszustand schwankt jeden Tag. Mal geht es dir gut und du sprudelst vor Energie, Enthusiasmus und Motivation.. Du könntest mit deiner Zufriedenheit Berge versetzen. 
Doch dann kommen die grauen Tage, an denen du schlapp und motivationslos bist.. Du bist gereizt und dich plagt immer wieder ein und derselbe Gedanke. 
Du willst eigentlich gar nicht darüber nachdenken und versuchst krampfhaft das Leben zu geniessen. Schliesslich lebst du nur einmal, oder? Eigentlich kannst du dich glücklich schätzen, denn du hast einen Dach über dem Kopf, eine Ausbildung und eine Familie. Du hast Freunde. Du hast alles Glück der Welt, denn du hast im Gegensatz zu Millionen von Menschen in Afrika die Möglichkeit, rund um die Uhr zu essen.. Wann immer du Hunger hast. . . Doch genau dort liegt das Problem. Essen. Essen raubt dir den Schlaf, die Ruhe und bereichert dein Leben mit Sorgen und Tränen, die ungehemmt über deine Wangen laufen. . 
Du versuchst dein Essverhalten mit Müslis, Riegel und Gemüse zu kontrollieren. Dein Körper dankt es dir mit einem flachen Bauch und du strahlst. Doch dann kommen die schlechten Tage, an denen sich alles in dir nach nur einem einzigen Stück Schokolade sehnen. Du willst ja das Leben geniessen, oder? Also isst du verdammt nochmals dieses Stück Schokolade. Doch dann Spielt die Kontrolle ein verrücktes Spiel mit dir und aus einem Stück Schokolade werden dann zwei Stück.. drei..vier . . 
Du kennst dieses Gefühl? Dann bist du nicht alleine. NEIN! 
Darf ich vorstellen? Ich bin's. Morena. Die sonst so glückliche, positive und lebensfreudige Morena. 
Keine Ahnung, wie ausgerechnet ICH mich mit dem Text oberhalb identifizieren soll. 
Keine Ahnung wie meine Mutter, mein Vater, mein Freund und mein ganzes Umfeld mich aushalten können, wenn mich die Kontrolle verlassen hat. 
Keine Ahnung wie mein Körper ohne jegliche Energie stundenlang Sport treiben kann. 
Keine Ahnung wie mein Magen überhaupt noch zurecht kommt, so wie ich ihn quäle. 
Doch eines weiss ich. Ich bin nicht alleine. Einerseits bin ich froh, nicht soo abnormal zu sein, schliesslich leidet mittlerweile jede dritte Frau an einer gestörten Selbstwahrnehmung. Anderseits macht es mich traurig, dass mein Blogpost "Mein innerer Kampf" fast 2'000 mal gelesen wurde im Gegensatz zu meinen anderen Blogposts, die teils nicht mal die 1000 Klicksmarke erreicht haben. Es macht mich traurig, wenn ich Mails lese, dass ich nicht alleine mit meinem Problem bin. Es macht mich unendlich traurig, wenn ich Mädchen auf Instagram sehe, denen es noch schlechter geht und die sich selbst verletzen, weil sie ihren Körper nicht lieben. Weil sie keine Kontrolle haben. Weil sie weinen. Es macht mich traurig, wenn ich unzählige Texte lese, bei denen Mädchen sich rechtfertigen müssen, dass sie nach dem Urlaub wieder Vollgas geben müssen, weil sie ihren Urlaub genossen haben. Es macht mich traurig, wenn ich sehe wie verletzlich Frauen sind, weil sie ihren Körper nicht mögen. 
Vielleicht ist der eine oder andere Leser hier, der weiss, wovon ich da rede. 
Vielleicht denkst auch du, dass das alles bescheuert ist. Vielleicht hast auch du vor, dein Leben zu geniessen; das zu Essen worauf du willst; so viel Sport zu machen, wie dein Köper mag.. Einfach glücklich sein. Doch glaube mir, das alles ist alles andere als leicht umzusetzen, weil unsere Gesellschaft, unser Umfeld, unsere Gedanken, die Medien, deine Freunde, Frauen, soziale Netzwerke, Männer, einfach alles einen Einfluss auf uns haben.
Tag 7 im Auto
"Mama.. Ich habe heute den ersten Schritt gewagt. Die Psychologin meint, wir werden einen Weg finden, wie ich wieder sorglos Leben  kann.. Meine schlaflosen Nächte werden irgendwann auch kein Problem mehr sein, hat sie gesagt. Ich glaube, es ist möglich, wieder das Leben geniessen zu können ohne Angst vor Transfettsäuren, bösartigen Zuckerarten und Kalorienbomben. " - "Endlich, mein Schatz.. Endlich. "

5 Monate und unzählige Tränen später habe ich eingesehen, dass auch eine starke Person wie ich, den Kampf gegen eine Essstörung nicht alleine bewältigen kann. Es braucht unendlich viel Mut, sich das einzugestehen. Es braucht enorme Überwindungskräfte, nach dem Hörer zu greifen und externe Hilfe zu holen. Aber ich habe es geschafft und ich bin froh, dass ich es gewagt habe.
Ich wünsche mir, dass jede Frau auf diesem Planeten es ebenfalls schafft, aus diesem Zyklus „Essen, Sport, Sorgen, Tränen, Kalorien, Kontrolle, Tränen, Essen“ auszutreten und den Kampf gegen eine Essstörung und gegen eine gestörte Selbstwahrnehmung anzusagen. Ich wünsche es mir für dich, für deine Freundin, deine Cousine, deine Mutter, oder auch für die, die du nicht kennst. Ich wünsche es allen betroffenen Frauen. Ob alleine oder mit Hilfe, ich wünsche es mir einfach. 

Eure Morena.

Ich muss zugeben, dass auch ich mich teilweise mit den Tagebucheinträgen von Morena identifizieren kann und bin der Meinung, dass das vielleicht manchen Menschen die Augen öffnet. Es ist wichtig darüber zu reden, denn es muss ausgesprochen werden!

 

Kommentare:

  1. Wow... Morena hat einen wirklich tollen Text geschrieben! Grade in der jetzigen Gesellschaft bzw. Zeit, wo abnehmen und Sixpack und Tight Gap total populär sind kommen solche Themen viel zu wenig an die Oberfläche!

    PS: Ein kleiner Citytrip nach München ist wirklich eine tolle Idee! :)

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  2. Ja, das ist wirklich ein ernstes Thema und ich finde den Text gut geschrieben.. :)

    Liebe Grüße, Nina ♥
    http://seeleimtraumland.blogspot.de/

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